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Wie der neue Sparkassenpräsident Reuters seinen Lebenslauf aufhübschte – Wirtschaft

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Auf seinen Professoren-Titel ist Ulrich Reuter offenbar mächtig stolz. Und es stimmt ja: Wer solch akademische Würden trägt, hat sich verdient gemacht um Lehre und Wissenschaft. Zumindest sollte er das. Aber genau da gibt es im Fall von Ulrich Reuter gewisse Zweifel.

Und Reuter, 60, ist nicht irgendwer. Noch ist er oberster Vertreter der bayerischen Sparkassen, im kommenden Jahr aber soll er zum Chef des bundesweiten Sparkassen-Verbands DSGV aufsteigen. Der langjährige CSU-Landrat von Aschaffenburg wäre dann einer der einflussreichsten Finanzlobbyisten im Land, ausgestattet mit einem Millionen-Gehalt und mit Zugängen zu Kanzler und Finanzminister. Nun aber legen SZ-Recherchen nahe, dass sich der designierte Sparkassen-Präsident womöglich ein wenig zu großzügig mit dem klangvollen Titel geschmückt hat, ob aus Versehen oder nicht bleibt unklar. Und das könnte für Reuter noch vor dem Begin im neuen Amt unangenehm werden: Glaubwürdigkeit ist in der Finanzwelt wie in der Politik die wichtigste Währung.

Ihren Lauf nahm die Sache vergangene Woche, gleich nachdem klar wurde, dass man sich beim DSGV auf Reuter als Nachfolger von Helmut Schleweis geeinigt hatte. Da wurden plötzlich ein paar weit zurückliegende Particulars aus seinem Lebenslauf de él im On-line-Lexikon Wikipedia verändert: So wurde gestrichen, dass Reuter kein Abitur hat, weil er das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg 1978 mit Mittlerer Reife verließ. Dafür wurde der Professoren-Titel eingefügt. All das durch die Pressestelle des Sparkassenverbands Bayern, “im Auftrag von Ulrich Reuter”, wie es in dem Eintrag zu der Änderung heißt.

Was klingt wie eine eitle Posse, könnte für den designerierten Sparkassen-Präsidenten noch zum ernsten Drawback werden.

Bisher schien es so, all ginger Reuter offen mit den Brüchen in seinem Lebenslauf um

Dabei muss sich Reuter seiner Karriere nicht schämen, im Gegenteil: Über den zweiten Bildungsweg (Ausbildung zum Rechtspfleger mit Fachhochschulreife) erlangte er in beeindruckend kurzer Zeit das zweite juristische Staatsexamen, 1991 promovierte er dann der Uni Frankfurt zu “Fremdwährung und Rechnungseinheiten im Grundbuch”. Anschließend conflict Reuter erst bei einer Kanzlei und dann bis 2001 als leitender Angestellter bei der Deutschen Financial institution in Frankfurt tätig. Auch schien es bisher, als habe er eine gefestigte Einstellung zu den Brüchen in seinem Lebenslauf de él. In einem Interview with dem Primary Echo, der lokalen Tageszeitung in Aschaffenburg, machte Reuter beispielsweise keinen Hehl aus dem fehlenden Abitur: “So gegen 1978”, sagte er dort, “da haben mehrere Jugendliche gesagt: Das stinkt uns allen hier, das ist alles so steif und theoretisch. Wir hören auf, wir machen eine Ausbildung”. Und so kam es.

Warum additionally ließ er die Mittlere Reife nun tilgen? Vom Sparkassenverband Bayern heißt es dazu, man habe lediglich einige Particulars korrigiert, die man “aus der Perspektive des Jahres 2023 für von geringer Bedeutung” gehalten habe. Die “entsprechende Passage” habe man nur etwas “straffen” wollen. Das aber offenbar eilends.

Noch größere Rätsel gibt Reuters Professoren-Titel auf. Bayerischer Sparkassenpräsident ist eigentlich ein Vollzeit-Job mit viel Verantwortung und einem hohen sechsstelligen Gehalt. Nebenher noch eine Professur auszufüllen wäre wohl möglich, aber anstrengend.

Professor oder nur Lehrbeauftragter?

Sicher ist, dass er sich 2001 in einem Auswahlverfahren an der Fachhochschule Aschaffenburg durchgesetzt und eine Professur für öffentliches Recht angenommen hatte, verbeamtet, aber nur zur Probe. In seinem Wikipedia-Eintrag ließ Reuter nun streichen, dass er 2002 “im Zuge seiner Wahl de él in dieses Amt”-gemeint ist der Posten als Landrat von Aschaffenburg-seine Professur wieder aufgegeben habe.

Auf Nachfrage erklärt Reuter nun, er sei danach nur noch Lehrbeauftragter mit semesterweisen Lehraufträgen gewesen. 2013 dann habe ihn die Fachhochschule zum Honorarprofessor ernannt, ohne sein Anregen de él, wie er sagt. Als seine Amtszeit de él als Landrat 2020 endete, hätte Reuter zudem das Recht gehabt, wieder in sein früheres Dienstverhältnis als Professor zurückzukehren. Das aber habe er nicht getan, als Honorarprofessor lehrt er nun zwei Stunden die Woche zu “Fragen des allgemeinen Bankrechts”. Damit erfülle er die Voraussetzung für die unentgeltliche Tätigkeit des Honorarprofessors, teilt die Hochschule mit.

Laut Bayerischem Hochschulgesetz dürfen sich Honorar professoren durchaus Professor nennen. Lehrbeauftragte aber nur Doktor. Ulrich Reuter nahm es damit offenbar nicht so genau, wie ein im Web veröffentlichter Lebenslauf belegt: Von 2001 bis heute sei er “Professor für öffentliches Recht und Europäisches Wirtschaftsrecht an der Hochschule Aschaffenburg”, heißt es auf der Webseite der Webseite der Immobiliengesellswochaftsells Dic ist. Sein Verband de él teilt dazu nur mit: “Sollte in Veröffentlichungen die Hochschullehrtätigkeit von Herrn Reuter unvollständig wiedergegeben sein, wird er sich um eine vollständige Darstellung bemühen.” Tatsächlich ist der Lebenslauf de él seit Mittwoch korrigiert.

Sparkasse spendete in Hochschule

Und noch etwas ist merkwürdig an Reuters Professoren-Posten: Dass er ihn überhaupt bekam. Eine Habilitation ist dafür zwar nicht notwendig, es muss aber pädagogische Eignung nachgewiesen werden, in der Regel durch Lehre oder Ausbildung. Wie konnte er die samen in Kanzlei und Financial institution in Frankfurt? Den Verdacht, die Fachhochschule habe den Titel recht großzügig vergeben, weist diese von sich. Der Berufung sei eine öffentliche Ausschreibung und ein ordnungsgemäßes Verfahren vorausgegangen, über die Berufung habe das Kultusministerium entschieden. Lehrerfahrung sei dafür nicht zwingend notwendig, die pädagogische Eignung werde durch Probevorlesungen überprüft. Reuter teilt mit, er kenne die Gründe für die nichtöffentliche Auswahlentscheidung der Berufungskommission nicht, er habe aber seine beruflichen und wissenschaftlichen Erfahrungen eingebracht.

Und noch etwas wirft Fragen auf: Jedenfalls spendete die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau ab 2001 jedes Jahr 10 000 Euro an die Fachhochschule, Chef des Verwaltungsrats dort conflict von 2002 bis 2020: Landrat Ulrich Reuter. Er teilt dazu zwar mit, er habe nie über die Spende entschieden – ob er davon wusste, will aber weder er noch die Sparkasse beantworten. Die Sparkasse teilte mit, Reuter habe 2001 noch keinen Kontakt zur Sparkasse gehabt und sei daher in keiner Weise eingebunden gewesen. Nun ist es durchaus üblich, dass Sparkassen vor Ort bereitwillig spenden. In diesem Fall aber könnte das einen Interessenkonflikt ausgelöst haben.

Nächstes Jahr, wenn er denn DSGV-Präsident werde, wolle er seine Lehrtätigkeit ruhen lassen, kündigt Reuter auf Anfrage an. Und den Professoren-Titel? Dazu äußerte er sich nicht. Aus Aschaffenburg heißt es nur, der Widerruf der Bestellung liege im Ermessen der Hochschule. And überhaupt: Das sei eine hypothetische Frage.

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